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Biedermeierball

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Biedermeierzeit aufleben lassen

TANZVERGNÜGEN. In längst vergangene Zeiten zurückversetzt fühle man sich am Samstag­
abend im Auerbacher Bürgerhaus „Kronepark". Dort veranstaltete der Historische Tanzkreis
Bensheim einen großen Biedermeier-Ball. Viele Gäste kamen entsprechend gekleidet und ga­
ben damit der Veranstaltung ein ganz besonderes Flair.                                 df/Bild: Funck

Der Historische Tanzkreis feierte eine rauschende Ballnacht

Auerbach. Zurück in die Zeit des Biedermeier, hieß es am Samstag beim Historischen Tanzkreis Bensheim. Alle, die im Bürgerhaus Kronepark zusammenkamen, versetzten sich um rund 150 Jahre zurück und ließen eine längst vergangene Epoche bis ins Detail wieder aufleben. Wer richtig mitfeiern wollte, achtete vor allem auf die Kleiderordnung und eine zeitgemäße Haartracht.

Es war eine Epoche des gesellschaftli­chen Aufbruchs, der industriellen Revolu­tion, in der der Adel zunehmend an Macht verlor und das Bürgertum an Einfluss ge­wann. Mazurka, Walzer und Polka erober­ten die Ballsäle. Die Ballordnung und eine ausgefeilte Kavaliersschule waren Pflicht. So auch im Bürgerhaus Kronepark.

Es war eine Epoche des gesellschaftli­chen Aufbruchs, der industriellen Revolu­tion, in der der Adel zunehmend an Macht verlor und das Bürgertum an Einfluss ge­wann. Mazurka, Walzer und Polka eroberten die Ballsäle. Die Ballordnung und eine ausgefeilte Kavaliersschule waren Pflicht. So auch im Bürgerhaus Kronepark.

Margret Müller, erste Vorsitzende des Vereins, freute sich besonders über die Gäste eines befreundeten historischen Tanzkreises aus Augsburg, der sich der Re­naissance widmet. Nach der Begrüßung machte sie die Besucher zunächst mit der Tanzordnung vertraut. Dass die erforderlich war, zeigte sich schnell angesichts der Enge, die bei der einleitenden Polonaise auf dem Tanzparkett herrschte.

Der Abend bot eine bunte Mischung aus Tanzvorführungen und Gesellschaftsspie­len, wie sie für Biedermeierbälle typisch waren. Viele Gäste nutzten die Möglichkeit, an einem „Tanzkurs" teilzunehmen. Im gemäßigten Tempo wagten sich einige unter Anleitung von Margret Müller im „Rosenwalzer" an kompliziertere Schrittfolgen heran. Die Polka stellt hohe Ansprü­che, wenn es von „Hacke-Spitze-Wechselschritt" schnell in die typischen Polka-Drehungen übergeht.

Entsprechend dem Regelkanon jener Zeit verlief auch die Partnerwahl. Jeder Gast bekam eine Tanzkarte, in die er die je­weiligen Partner eintrug. Den Grund dafür erläuterte Waltraud Thron, zweite Vorsit­zende des Vereins. Auf diese Weise behielt damals das Oberhaupt der Familie die Übersicht.

Das, was vor 150 Jahren noch bitterer Ernst war, ging am Samstagabend mit viel Spaß über die Bühne. Da machten sich Frauen mit weiten Kleidern und gelockten, mit Blumenschmuck verziertem Haar auf die Suche nach einem männlichen Pendant in Frack und Zylinder. Vor allem in der Kleidermode zeigte der Biedermeier viel Fantasie. Die englische Ballmode von 1834 war wenig zugeknöpft. Ein weiter Ausschnitt und schmale, enggeschnürte Taillen waren „in". Hinzu kam der sichere „Unterbau" - eine knöchellange Rüschenhose und darüber ein durch einen Reifen weit abstehender Rockteil. Eine spitz zugeschnittene Taille und gebauschte Ärmel gaben der Kleidung den letzten Schliff. Die Herren gaben im Frack mit Schwalbenschwanz eine blendende Figur ab. Beim Haar bevorzugten die Damen große, gleichförmige Locken mit zum Teil üppigem Dekor.

Der Historische Tanzkreis Bensheim feierte eine sechsstündige rauschende Ball­nacht, in der selbst die Dekoration ganz und gar den Biedermeierstil spiegelte, moni 

 

Bergsträsser Anzeiger vom 01.12.03