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Marktmeile

Marktmeile Silvesterball

Mit Drehleier und Dudelsack

Mittelalterliches Flair auf der Mannheimer Marktmeile (Verkaufsoffener Sonntag, 26.09.2004)

ma_mei_anna.jpg (200x474 -- 20139 bytes)Sie tragen lederne Bundschuhe oder hölzerne Clogs, darüber Hosen beziehungsweise Röcke aus Wollstoff sowie Hemden aus Leinen, am Gürtel hängen neben Beuteln und Messern auch ein Kuhhorn als Trinkgefäß: Die mittelalterlichen Gaukler und Spielleute sind ein absoluter Hingucker. Auf dem Paradeplatz bewegt sich die 20-köpfige Formation des Historischen Tanzkreises aus Bensheim, in den Planken spielt Thelonius Dilldapp zwischen den Quadraten P 3 und P 6 und weiter oben in Richtung Wasserturm sind Eros Zamarotti und Hieronymus Springinsfeld mit Drehleier, Waldzitter und Schellenglocken aktiv.

„Es ist wunderbar bequem und mit den vielen Beuteln am Gürtel auch richtig praktisch - ich hab' alles dabei", erzählt Margret Müller fröhlich. Sie leitet die Tänzer des Bensheimer Vereins und fühlt sich in ihrem Kostüm richtig wohl. Kalt wird's ihr erst gar nicht, mit den Vereinsmitgliedern kommt sie immer wieder in Schwung und führt lebensfro­he Tänze der Bauern aus dem 16. Jahrhundert auf. Thomas Weiler gibt mit seinen jungen Musikern den Takt vor und entlockt seinem historischen Dudelsack melodische Rhythmen, wie sie im ausgehenden Mittelalter angestimmt wurden.

Eine Mischung aus Saiten- und Tasteninstrument ist die Drehleier, die die 16-jährige Lena Mäurer auf dem Paradeplatz spielt. „Mit der linken Hand die Tasten zu greifen, ist schon ungewohnt, aber deshalb macht es umso mehr Spaß -ist eben mal was Anderes." Lena erklärt die außergewöhnlichen Musikalien gerne. Diese Leidenschaft hat sie mit allen Spielleute in der City gemeinsam. Thelonius Dilldapp etwa stellt seinen Brummtopf vor, der seinen Namen zu recht trägt und erläutert auch gerne seine Laute. Mittelhochdeutscher Minnesang bis derbe Landsknechtverse zählen zum Repertoire des 37-Jährigen.

Hinter seiner Maske versteckt hat sich der echte „Mannemer" Klaus R. Nagel, der nicht so schnell erkannt werden möchte. Im Kostüm von Hieronymus Springinsfeld steckt eben ein hundert­prozentiger Gaukler - mit ernsthafter musikalischer Ausbildung. Mit Ernst Käshammer alias Eros Zamarotti, von Beruf Geigenbauer, stimmt er französi­sche wie zotig-freche Lieder an.         cos

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Mannheimer Morgen vom 27.09.04